Was du an einem Leihrad prüfen solltest, bevor du in die Berge fährst

16. September 2026 · 5 Min. Lesezeit · von Lex Shatilov

Dein eigenes Bike kennst du. Du weißt, wie sich die Bremsen anfühlen, wann du die Kette gewechselt hast und welche Geräusche normal sind. Bei einem Leihrad ist das anders: Du lernst es fünf Minuten vor der Tour kennen.

Meine Gäste leihen ihre Bikes meist bei Verleihen in Riva, Torbole, Arco, Limone und Tremosine, mit denen ich zusammenarbeite. Vor jeder Tour prüfe ich jedes Bike direkt im Verleih. Hier erfährst du, worauf ich achte, was sich nicht prüfen lässt und warum das wichtig ist.

Rahmengröße und Sattelhöhe sind auch wichtig, aber das ist ein anderes Thema. Der Verleih wählt die Rahmengröße nach deiner Körpergröße aus und kennt seine Bikes. Wenn du noch überlegst, welches Bike du leihen sollst, lies Hardtail oder Fully.

Im Frühling neu, im Herbst abgenutzt

Die meisten Verleihe am Gardasee werden von Profis geführt. Sie erneuern ihre Flotte oft, viele kaufen jedes Jahr neue Bikes. Am Anfang der Saison ist die Chance also groß, ein neues Bike in perfektem Zustand zu bekommen.

Aber Leihräder werden stark beansprucht. Fast jeden Tag fährt jemand anderes damit, oft viele Stunden lang. Im Herbst zeigen viele von ihnen Verschleiß.

Ein Grund dafür ist die Fahrweise auf dem E-Bike. Auf einem normalen Bike schaltest du in einen leichteren Gang, wenn der Anstieg schwer wird. Ist es immer noch schwer, schaltest du noch einmal. Du fährst langsamer, aber Kette und Ritzel werden nicht überlastet.

Auf dem E-Bike machen viele etwas anderes. Sie bleiben in einem schweren Gang und schalten auf Turbo, die stärkste Unterstützungsstufe. Der Akku leert sich schneller, und Kette und Ritzel werden viel stärker belastet.

Auf meinen Touren rate ich, zuerst in einen leichteren Gang zu schalten und Turbo nur zu nutzen, wenn man ihn wirklich braucht. Aber ich kann nicht jeden Schaltvorgang kontrollieren. Je später in der Saison du ein Bike leihst, desto genauer solltest du es also prüfen.

Was du im Verleih prüfen kannst

Das dauert nur ein paar Minuten, und du musst dafür kein Mechaniker sein.

Reifen. Schau dir das Profil an. Die Stollen sollten scharfe Kanten haben. Wenn sie rund und abgefahren aussehen, zeig das dem Personal. Drück dann jeden Reifen fest mit dem Daumen: Er sollte sich hart anfühlen. Wenn du unsicher bist, lass den Luftdruck prüfen. Eine Kontrolle im Verleih reicht. Stimmt der Druck beim Losfahren, musst du unterwegs nicht nachpumpen.

Bremsen. Zieh beide Bremshebel. Sie sollten sich fest anfühlen und deutlich vor dem Lenker stoppen. Schau dir dann die Bremsbeläge an: Es sollte noch reichlich Belag da sein. Wenn du das nicht sehen kannst, lass es dir vom Personal zeigen. Schau dir auch die Bremsscheiben an. Sie sollten gerade sein, und wenn sich das Rad dreht, solltest du sie nicht schleifen hören. Bremsbeläge halten meist lange. Wenn sie am Anfang dick genug sind, reichen sie für den ganzen Tag.

Akku. Beim E-Bike sollte der Akku zu 100 % geladen sein. Schalte das Bike ein und prüfe das vor der Abfahrt. Achte darauf, dass der Akku eingerastet ist und sich nicht bewegt. Manche Verleihe laden die Akkus außerhalb der Bikes. Wenn dein Bike eine Akkuabdeckung hat, prüf also, ob sie wieder drauf ist.

Kratzer und Risse. Geh einmal um das Bike herum und schau dir Rahmen, Gabel und Laufräder an. Wenn du einen Kratzer oder ein beschädigtes Teil findest, zeig es dem Personal, bevor du losfährst. Das ist wie bei einem Mietwagen: fair für dich und für den Verleih, und bei der Rückgabe gibt es keine Fragen. Wenn du einen Riss findest, fahr dieses Bike nicht. Lass dir ein anderes geben.

Federung. Die Gabel lässt sich meist blockieren, und das hat einen Grund. Bei jeder Kurbelumdrehung federt die Gabel ein wenig ein und aus. Ein Teil deiner Kraft und des Akkus geht in diese Bewegung, statt dich nach vorn zu bringen. Auf langen Touren lohnt es sich deshalb, die Gabel bergauf zu blockieren. Bergab brauchst du die Federung aber, also öffne die Blockierung vor der Abfahrt immer. Lass dir vom Personal zeigen, wie das geht.

Drück dann bei offener Gabel kräftig auf den Lenker. Die Gabel sollte gleichmäßig einfedern und wieder ausfedern, ohne Klopfen. Beim Fully drück auch auf den Sattel. Der Dämpfer sollte genauso arbeiten. Schau dir die Stellen an, an denen er am Rahmen befestigt ist: Dort darf kein Spiel sein, und die Schrauben sollten fest angezogen sein.

So weißt du, dass die Federung funktioniert. Was im Inneren passiert, siehst du nicht. Und wenn sie im Wald kaputtgeht, kann sie dort niemand reparieren.

Was du nicht prüfen kannst

Manche Teile sitzen tief im Bike. Im Verleih kannst du sie weder sehen noch testen.

Der Freilauf. Dieser Mechanismus sitzt in der Hinterradnabe. Wenn du trittst, treibt er das Hinterrad an. Wenn du aufhörst zu treten, lässt er das Rad frei laufen. Geht er zehn Kilometer vom Verleih entfernt kaputt, können weder die Pedale noch der Motor das Bike bewegen. Dann musst du schieben.

Bevor ein Freilauf kaputtgeht, macht er oft ein seltsames Geräusch. Aber es gibt viele Arten von Freiläufen und viele verschiedene Geräusche. Meist erkennt nur ein erfahrener Mechaniker, welches Geräusch auf ein Problem hinweist.

Die Verkabelung. Beim E-Bike laufen Kabel von der Bedieneinheit am Lenker zum Motor und zum Akku. Bei Bikes mit vielen Kilometern kann in einem Kabel ein Wackelkontakt entstehen. Dann schaltet sich das ganze System einfach ab. Im Verleih siehst du das nicht.

Niemand kann versprechen, dass nichts kaputtgeht. Auch ein gutes Bike aus einem guten Verleih kann am Berg ein Problem haben. Das passiert.

Fahr den ersten Kilometer in der Nähe des Verleihs

Fahr nicht direkt in die Berge. Dreh zuerst eine kurze Runde in der Nähe des Verleihs. Auf diesem ersten Kilometer:

  • Brems mit jedem Hebel einzeln. Prüf, welcher Hebel die Vorderradbremse bedient: Das kann anders sein als bei deinem Bike zu Hause.
  • Schalte durch alle Gänge. Die Kette sollte sauber wechseln und nicht springen.
  • Probier jede Unterstützungsstufe aus, von der niedrigsten bis Turbo.
  • Teste die Vario-Sattelstütze, falls das Bike eine hat. Das ist die Sattelstütze, die du mit einem Hebel am Lenker absenken kannst. Drück den Hebel und setz dich: Der Sattel sollte nach unten gehen. Drück ihn wieder, wenn du aufstehst: Der Sattel sollte wieder hochkommen.
  • Hör hin. Knarzen, Klicken und jedes seltsame Geräusch von Kette, Schaltung oder Laufrädern sind ein Grund umzudrehen.

Wenn sich etwas falsch anfühlt oder anhört, fahr zurück und zeig es dem Mechaniker. In der Nähe des Verleihs dauert das ein paar Minuten. Am Berg kann dasselbe Problem deine Tour beenden.

Und noch etwas vor dem Start: was du für eine Tour am Gardasee einpacken solltest.

Auf einer geführten Tour ist das mein Job

Auf meinen geführten Touren (auf Englisch, Italienisch oder Russisch) wähle ich die Bikes passend zur Körpergröße meiner Gäste aus. Im Verleih prüfe ich vor dem Start jedes Bike: Reifen, Bremsen, Akku, Federung, Geräusche.

Für die Dinge, die niemand prüfen kann, habe ich Werkzeug für Notfallreparaturen dabei. Nicht jeder Defekt lässt sich im Wald beheben, aber viele schon. Selbst bei einem kaputten Freilauf gibt es einen Weg, das Rad wieder anzutreiben. Das ist nicht perfekt, reicht aber oft, um zurückzufahren. Mehr dazu steht in meinem Artikel darüber, warum sich ein Guide lohnt.

Die meisten Probleme lassen sich aber schon im Verleih finden, wenn man danach sucht. Wenn also etwas nicht stimmt, lösen wir es vor dem Start. Nicht zwanzig Kilometer vom Verleih entfernt.